Die Folgen der "neuen Normalität" für Kinder und Jugendliche


“Je erhöhter das eigene Stresslevel der Eltern, über desto mehr Belastung berichteten Sie auch bei ihrem Kind. Da gab es eine enge Verbindung” (Heinrich, 2020, S.69).
 
 
Die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche waren unerwartet und deshalb für lange Zeit in den Augen der Gesellschaft unsichtbar.
Kinder und Jugendliche tragen die Hauptlast der Schäden, die sich aus der Kontakteinschränkung und dem Lockdown ergeben. Mehrere Defizite, die während der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen entstehen und die normalerweise eine fachkundige Begleitung erfordern würden, sind von der aktuellen Situation und der Einschränkung des persönlichen Kontakts betroffen.

Kinder und Jugendliche mit Sprach-, Konzentrations-, und vor allem Angst- und Depressionsstörungen können ihre Therapien nicht mehr wahrnehmen, was zu einem Einbruch in der Entwicklung ihrer Sozialkompetenzen führt. Für Kinder, die unter unterschiedlichen Störungen leiden, wird deutlich, wie wichtig eine regelmäßige Behandlung durch Experten ist. Selbst wenn die Situation so extrem wie eine Pandemie ist, ist sie für diese Kinder belastender als sonst.
Andererseits macht die Pandemie das tägliche Leben der Familien belastender und anspruchsvoller, was sich auf die Kinder auswirkt, die bisher keinerlei Schwierigkeiten in ihrer Entwicklung gezeigt haben. Sie sind dann meistens gezwungen, in einem nicht adäquaten Umfeld, zu Hause zu bleiben. 

Dies kann zu neuen Problemen wie z.B. Hyperaktivität, Konzentrationsschwäche oder sozialen Ängsten führen. Darüber hinaus bringt die Pandemie innerfamiliäre Konflikte ans Licht, die häufig zu negativem und missbräuchlichem Verhalten führen, was sich in der steigenden Zahl von telefonischen Hilfsanrufen wiederspiegelt.
 
 
In der Pubertät ist der Kontakt und die Unterstützung durch die Gleichaltrigengruppe unerlässlich, um jede Art von Fähigkeiten zu fördern. Die Kontakte und Beziehungen, die in der Schule aufgebaut werden, geben ihnen die Stabilität und Resilienz, die sie brauchen. Statistiken zeigen, dass 71% der 11 bis 17 jährige und 80% der Eltern von 7 bis 17 jährigen die Krise äußerst belastend finden (Heinrich, 2020, S.67).

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben es noch schwieriger. Da sie zu Hause “eingesperrt” sind und mit der Familie nur in ihrer Muttersprache kommunizieren, stagnieren ihre Sprachkenntnisse. Dadurch werden u.a. Bereiche wie die intellektuelle Entwicklung oder die Entwicklung sozialer Fähigkeiten beeinträchtigt. Dies führt zu einem Rückschritt in der Schulbildung und gefährdet ihre Integration in die Gesellschaft.
Der Umgang mit bestimmten Störungen, sowohl seelischer als physischer Art, wird für Experten zu einer Herausforderung werden.