Lexikon der Verhaltenstherapie

Arthrose

Eine Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Verschleiß eines Gelenks das altersübliche Maß übersteigt. Im Gegensatz zur Arthritis ist die Arthrose nicht primär entzündlich. Arthrosen entstehen durch die Überbeanspruchung der Gelenke, etwa durch Übergewicht, Deformierungen der umliegenden Knochen durch Knochenerkrankungen wie Osteoporose, genetische Faktoren, traumatische Einwirkungen oder in Folge einer anderen Erkrankung entstehen. Grundsätzlich können alle Gelenke des Körpers von Arthrosen betroffen werden. Arthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung.  In Deutschland leiden etwa 5 Millionen Menschen unter arthrotischen Veränderungen.

Aspiration

Als Aspiration bezeichnet man in der Medizin das Eindringen von Material wie Flüssigkeit, Nahrung oder andere Fremdkörper in die Atemwege. Umgangssprachlich spricht man hier vom „verschlucken“. Am häufigsten tritt die Aspiration von Fremdkörpern in der Pädiatrie bei Säuglingen und Kleinkindern auf.

Ataxie

Ataxie ist der medizinische Oberbegriff für Störungen der Bewegungskoordination und Haltungsinnervation. Ataxien können durch jede Erkrankung entstehen, die Organsysteme des Nervensystems betreffen, die an der Bewegungssteuerung beteiligt sind. Sie äußern sich in überschüssigen und unkontrollierten Bewegungen des Betroffenen. Eine Ataxie kann auch bei normaler Muskelkraft auftreten, ohne dass eine Lähmung (Parese) vorliegt. Häufige Ataxien sind Standataxie, Gangataxie, Rumpfataxie und Zeigeataxie. Tritt die Ataxie nur in einer Körperhälfte auf, spricht man von einer Hemiataxie. Für die Ataxie gibt es keine spezielle Therapie oder Behandlung, da eine Behandlung der Ursache der Bewegungsstörung häufig auch selbige heilt. Irreversible Ataxie, die etwa durch Multiple Sklerose oder Zerebralparese verursacht werden, können durch physische oder ergotherapeutische Maßnahmen und gegebenenfalls den Einsatz von Gehstöcken oder modifizierten Hilfsgeräten verbessert werden.

Ätiologie

Die Ätiologie bezeichnet in der Psychologie und der Medizin die Ursachenforschung. Konkret bezeichnet der Begriff die Suche nach dem Grund der Entstehung von Krankheiten. Die Ätiologie kennt bei dieser Suche drei grundlegende Methoden, denen jeweils ein unterschiedlicher Grad der Unsicherheit zugrunde liegt. Man unterscheidet hier unter den drei „C“s, welche für Causa, Contributio und Correlatio stehen. Causa beschreibt dabei die Möglichkeit, für besser untersuchte Krankheitsbilder eine einzige klare Ursache zu finden. So wird etwa die Aufgabe der Gewohnheit zu Rauchen immer zu einer Verbesserung der Durchblutung führen, da der Konsum von Nikotin zwingend zu einer Verengung der Gefäße führt. Trotzdem ist eine solch gradlinige Ursachenfindung nicht für jede Erkrankung möglich. Oftmals kann auch eine starke Ursache-Folge-Beziehung zwischen zwei Krankheitsbildern erkannt werden. Dieser starke, aber nicht direkte, Zusammenhang wird als Contributio bezeichnet. Es gilt: tritt Krankheit A auf, dann entsteht auch Krankheit B häufiger, aber nicht immer. Als Correlatio bezeichnet man einen Zusammenhang zwischen zwei Erkrankungen oder körperlichen Eigenschaften, der nicht unbedingt weiter zu klären ist. Es ist lediglich zu beobachten, dass Menschen mit der Krankheit A auch häufig die Krankheit B aufweisen und umgekehrt.

Ätiopathogenese

Dieser Begriff ist ein wissenschaftlicher Sammelbegriff für ein Erklärungsmodell für Krankheiten, in dem sowohl Ursache als auch Entstehung, also Ätiologie und Pathogenese, einer Krankheit berücksichtigt werden.

Atrophie

Eine Atrophie (aus dem Lateinischen „Auszehrung“, „Nahrungsmangel“, „Abmagerung“ oder „Verkümmerung“) ist ein Gewebsschwund in Folge einer Mangelernährung, Stoffwechselstörung oder einer physikalischen, infektiösen oder chemischen Schädigung. Weiterhin kann die einfache Abnahme des Zellvolumens oder die numerische Verringerung der Zellanzahl (Hypoplasie) durch eine Störung der Blutversorgung oder Innervation, durch hormonelle Schwankungen, fortgeschrittenes Alter, Überbelastung, Druck, Alkoholkonsum oder Parasiten erklärt werden. Auch die Unterbeanspruchung von Organen, Muskeln und Geweben kann zu Atrophien führen: so sind Knochen- und Muskelschwund in der Regel schon nach kurzer Zeit bei fehlender Inanspruchnahme durch Sport zu beobachten. Auch in der Raumfahrt kommt es zu ähnlichen Inaktivitätsatrophien. Die Atrophie eines Gewebes geht im Regelfall mit einer eingeschränkten oder aufgehobenen Funktion der betroffenen Stelle einher.

Auditive Wahrnehmung

Unter dem Sammelbegriff der auditiven (auch auralen oder akustischen) Wahrnehmung versteht man alle Sinneswahrnehmungen von Schall, die durch Lebewesen aufgenommen werden. Die Aufnahme dieser Sinnesreize geschieht durch die Sinnesorgane. Da Schall aus Schwingungen besteht, die durch Luft, Wasser oder Untergrund in der Umgebung übertragen werden, kann er auch anhand von Vibrationen vom menschlichen Körper erfühlt werden. Das wichtigste Hörorgan des Menschen ist allerdings das Ohr. Es besteht aus Außenohr, Mittelohr und Innenohr. Die primäre Funktion des Außenohrs, bestehend aus Ohrmuschel, Ohrläppchen und Gehörgang, ist die Einordnung des Gehörten in einen räumlichen in zeitlichen Kontext. Das Mittelohr, das den Hebelapparat mit seinen drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel enthält, ist vor allem für die Frequenzanpassung (Impedanzanpassung) von Hörereignissen und den Stapediusreflex zuständig, welcher bei lauten Umgebungsgeräuschen für einen Schallausgleich im Ohr sorgt und vor Überlastung des Innenohres durch einen zu hohen Lautstärkepegel schützt. Im Innenohr befinden sich die Hörschnecke und das Gleichgewichtsorgan. Hier werden Schallreize in neuronale Impulse umgewandelt und an den Hörnerv weitergeleitet. Bei den meisten Lebewesen besteht auch die Möglichkeit, durch den Gehörsinn Pegelunterschiede, Laufzeitunterschiede und Richtung von Hör- und Schallereignissen festzustellen. Im Menschen ermöglicht es zusätzlich die Sprachwahrnehmung. Die Funktion des Gehörsinns kann durch Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit, Seelentaubheit und allgemeine Störungen der auditiven Verarbeitung oder Wahrnehmung beeinträchtigt werden.

Autismus

Autismus (altgriechisch autós „selbst“) ist eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Häufig bezeichnet man Autismus bzw. Autismus-Spektrum-Störungen (ASS; englisch autism spectrum disorder, kurz ASD) auch als Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltensrepertoires auswirken.

Autoimmunerkrankung

Eine Autoimmunerkrankung ist eine Krankheit, bei der das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe reagiert, weil es diese fälschlicherweise als zu bekämpfende Fremdkörper identifiziert. Die Selbsttoleranz, die das Immunsystem im Regelfall davon abhält, dem eigenen Körper zu schaden, funktioniert in diesem Fall nicht richtig. Die T-Lymphozyten des Immunsystems, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, können bei dieser Fehlfunktion nicht mehr zwischen körpereigenen und körperfremden Eiweißmolekülen unterscheiden, identifizieren diese als schädlich und greifen sie an. Betroffene Gewebe entzünden sich infolgedessen chronisch. So entstehen Krankheiten wie die Multiple Sklerose, bei der die T-Zellen die das Nervensystem ummantelnden Myelinscheiden angreifen, rheumatoide Arthritis und Typ-1-Diabetes. Es ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt, was genau zur Bildung von Autoimmunerkrankungen führt. Die Behandlung wird deshalb vorwiegend durch entzündungshemmendes Kortison oder immunsuppressive Medikamente vorgenommen. Die Heilung oder Vorbeugung von Autoimmunkrankheiten ist derzeit nicht möglich.

Axone

Das Axon ist ein myelinbeschichteter, schlauchartiger Nervenzellfortsatz in der Mitte eines Neurons, der Zellkörper und Endknopf der Nervenzelle miteinander verbindet. Elektrische Reize werden vom Axon ab einem gewissen Erregungspotenzial als Aktionspotenziale weitergeleitet und an das präsynaptische Endknöpfchen abgegeben. Die Gesamtlänge des Axons ist dabei abhängig von der Funktion seines zugehörigen Neurons; im Menschen finden sich deshalb genauso Axone, die weniger als einem Millimeter lang sind, wie solche von über einem Meter Länge. Letztere findet man etwa bei den motorischen Nervenzellen des Rückenmarkes, deren Fortsätze für die Innervation die Zehenmuskulatur sorgen.