Lexikon der Verhaltenstherapie

Ataxie

Ataxie ist der medizinische Oberbegriff für Störungen der Bewegungskoordination und Haltungsinnervation. Ataxien können durch jede Erkrankung entstehen, die Organsysteme des Nervensystems betreffen, die an der Bewegungssteuerung beteiligt sind. Sie äußern sich in überschüssigen und unkontrollierten Bewegungen des Betroffenen. Eine Ataxie kann auch bei normaler Muskelkraft auftreten, ohne dass eine Lähmung (Parese) vorliegt. Häufige Ataxien sind Standataxie, Gangataxie, Rumpfataxie und Zeigeataxie. Tritt die Ataxie nur in einer Körperhälfte auf, spricht man von einer Hemiataxie. Für die Ataxie gibt es keine spezielle Therapie oder Behandlung, da eine Behandlung der Ursache der Bewegungsstörung häufig auch selbige heilt. Irreversible Ataxie, die etwa durch Multiple Sklerose oder Zerebralparese verursacht werden, können durch physische oder ergotherapeutische Maßnahmen und gegebenenfalls den Einsatz von Gehstöcken oder modifizierten Hilfsgeräten verbessert werden.

Ätiologie

Die Ätiologie bezeichnet in der Psychologie und der Medizin die Ursachenforschung. Konkret bezeichnet der Begriff die Suche nach dem Grund der Entstehung von Krankheiten. Die Ätiologie kennt bei dieser Suche drei grundlegende Methoden, denen jeweils ein unterschiedlicher Grad der Unsicherheit zugrunde liegt. Man unterscheidet hier unter den drei „C“s, welche für Causa, Contributio und Correlatio stehen. Causa beschreibt dabei die Möglichkeit, für besser untersuchte Krankheitsbilder eine einzige klare Ursache zu finden. So wird etwa die Aufgabe der Gewohnheit zu Rauchen immer zu einer Verbesserung der Durchblutung führen, da der Konsum von Nikotin zwingend zu einer Verengung der Gefäße führt. Trotzdem ist eine solch gradlinige Ursachenfindung nicht für jede Erkrankung möglich. Oftmals kann auch eine starke Ursache-Folge-Beziehung zwischen zwei Krankheitsbildern erkannt werden. Dieser starke, aber nicht direkte, Zusammenhang wird als Contributio bezeichnet. Es gilt: tritt Krankheit A auf, dann entsteht auch Krankheit B häufiger, aber nicht immer. Als Correlatio bezeichnet man einen Zusammenhang zwischen zwei Erkrankungen oder körperlichen Eigenschaften, der nicht unbedingt weiter zu klären ist. Es ist lediglich zu beobachten, dass Menschen mit der Krankheit A auch häufig die Krankheit B aufweisen und umgekehrt.

Ätiopathogenese

Dieser Begriff ist ein wissenschaftlicher Sammelbegriff für ein Erklärungsmodell für Krankheiten, in dem sowohl Ursache als auch Entstehung, also Ätiologie und Pathogenese, einer Krankheit berücksichtigt werden.

Atrophie

Eine Atrophie (aus dem Lateinischen „Auszehrung“, „Nahrungsmangel“, „Abmagerung“ oder „Verkümmerung“) ist ein Gewebsschwund in Folge einer Mangelernährung, Stoffwechselstörung oder einer physikalischen, infektiösen oder chemischen Schädigung. Weiterhin kann die einfache Abnahme des Zellvolumens oder die numerische Verringerung der Zellanzahl (Hypoplasie) durch eine Störung der Blutversorgung oder Innervation, durch hormonelle Schwankungen, fortgeschrittenes Alter, Überbelastung, Druck, Alkoholkonsum oder Parasiten erklärt werden. Auch die Unterbeanspruchung von Organen, Muskeln und Geweben kann zu Atrophien führen: so sind Knochen- und Muskelschwund in der Regel schon nach kurzer Zeit bei fehlender Inanspruchnahme durch Sport zu beobachten. Auch in der Raumfahrt kommt es zu ähnlichen Inaktivitätsatrophien. Die Atrophie eines Gewebes geht im Regelfall mit einer eingeschränkten oder aufgehobenen Funktion der betroffenen Stelle einher.