Lexikon der Verhaltenstherapie

Elternarbeit

Als Elternarbeit bezeichnet man die kooperative Zusammenarbeit von Eltern und Pädagogen im Rahmen pädagogischer und therapeutischer Einrichtungen, die von Kindern besucht werden. Das übergreifende Ziel ist es dabei, eine einheitliche Erziehungspartnerschaft zwischen den in der Einrichtung und im Zuhause anwesenden Erwachsenen zu schaffen. So werden zum Beispiel pädagogische Fortbildungen und Lernangebote für Eltern offeriert, um das allgemeine Erziehungsverhalten dieser zu verbessern. Dazu bedarf es beispielsweise einer Offenlegung und Abstimmung der Erziehung und der verwendeten Maßnahmen zwischen Familien und außerfamiliären Erziehungseinrichtung. Auch die Verbesserung der Erziehungssituation in der außerfamiliären Einrichtung unter Einbeziehung der Eltern soll mit Hilfe von regelmäßig stattfindenden Gesprächen zwischen Eltern und Repräsentanten der Institution geschafft werden.

Elterntraining

Beim Elterntraining werden die Eltern trainiert und eingeladen Ihre Wahrnehmung, ihre Reaktionen auf das Verhalten des Kindes in der Mikroebene zu verändern, zu erweitern und anzupassen um eine verbesserte Interaktion und familiendynamik mit ihren Kindern zu erreichen. Die Eltern werden sicherer und reagieren ruhiger auf das Problemverhalten ihrer Kinder. Es werden alte Verhaltensmuster abgebaut, neue Anhand von Aufklärung, Theorie und Praktischen Übungen trainiert. Durch den Austausch in der Gruppe mit anderen betroffenen Eltern fühlen sich die Eltern weniger alleine und mehr akzeptiert und verstanden.

EMDR

EMDR steht für Eye-Movement Desensitization and Reprocessing („Desensibiliserung und Verarbeitung durch Augenbewegung“) und stellt eine traumabearbeitende Psychotherapiemethode dar. Sie soll der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen dienen. Dazu zählen Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)Angststörungen oder Depressionen. EMDR ist in 8 standardisierte Phasen eingeteilt: Zunächst erfolgen Anamnese und Behandlungsplanung, gefolgt von einer Phase der inneren und äußeren Stabilisierung, der Anfangseinschätzung der Symptomatik, der zentralen Phase der Neuverarbeitung, der Verankerung des erreichten Zustandes, der Prüfung der Restbelastung auf Körperebene, sowie einer Abschlussphase.

EMDR zeichnet sich durch bilaterale Stimulation aus, d. h. dass während der Erinnerung an das traumatische Erlebnis beispielsweise Augenbewegungen oder Töne erfolgen. Dies aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers und soll die Verarbeitung des Erlebnisses ermöglichen. Dies beweisen auch empirische Studien, die belegen, dass EMDR-Patienten weniger Behandlungssitzungen benötigen, als Patienten, die eine andere Therapie nutzen.

Entspannungsmethode

Eine Entspannungsmethode ist ein Verfahren, welches den Abbau von Stress, Erregung und Anspannung fördern soll. Sie besteht aus mehreren aufeinander folgenden Schritten und kann aktiv (Sport und Bewegung) oder passiv (z.B. Meditation, Yoga) durchgeführt werden. Durch Entspannungsmethoden entstehen Harmonie, Gelassenheit und ein verbessertes allgemeines Wohlbefinden. Ein Beispiel einer Entspannungsmethode ist die Klangmassage, bei der verschiedene harmonische Klänge auf Körper und Seele übertragen werden. Aber auch die progressive Muskelentspannung entspannt den Körper. Dabei werden nacheinander bestimmte Muskelgruppen gezielt angespannt und wieder entspannt

Entwicklungsförderung

Unter der Entwicklung des Menschen versteht man seine Veränderung über einen bestimmten Zeitraum. Dieser dynamische Prozess, der auch durch biologische Wirksysteme und sozialen Faktoren beeinflusst wird, wird am häufigsten am chronologischen Alter einer Person festgelegt. Gerade im Kindesalter findet eine rasche Entwicklung statt; diese wird in Entwicklungsphasen eingeteilt und kann anhand von Entwicklungstabellen nachgehalten werden. Wenn geistige, kognitive, motorische, sensorische, emotionale und soziale Fähigkeiten langfristig nicht mit der Entwicklung gleichaltriger Kinder mithalten können, spricht man von einer Entwicklungsstörung. Die mangelhaft ausgebildeten Funktionen können sich in einem oder mehreren Bereichen des Lebens zeigen. Gezielte Entwicklungsförderung kann die fehlende oder zu geringe Ausbildung dieser Fähigkeiten kompensieren. Diese Entwicklungsförderung ist ein vielschichtiger Prozess, der ein differenziertes Wissen über Entwicklungsphasen, Diagnostik sowie geeignete Interventionen voraussetzt. Es werden dabei verschiedene Bereiche der Entwicklung behandelt. Dazu gehören PsychomotorikFeinmotorikGraphomotorik, Mundmotorik, Wahrnehmung, Lernfähigkeit, Selbsthilfetraining zur Ermöglichung der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) und auch die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Entwicklungsförderung existiert als allgemeine Förderung, etwa durch Schulsport, sowie als individuelle Förderung, die unter Einbeziehung von Eltern und des Kindes gezielt auf die Schwierigkeiten des betroffenen Kindes zugeschnitten ist. In Elternkursen werden dazu zum Beispiel die Grundlagen positiver Erziehung und der Umgang mit schwierigen Erziehungssituationen vermittelt, während die spielerischen Kinderkurse die sozial-kognitive und emotionale Kompetenz der auffälligen Kinder stärkt und so eine Reduktion von Problemverhalten bewirkt.

Entwicklungstabelle

Dieses standardisierte Verfahren für die Beobachtung und Dokumentation des Entwicklungsstandes von Kleinkindern im Alter bis 6 Jahre und wurde in den 1980er Jahren von Prof. Dr. Emanuel Kuno Beller entwickelt und später in Zusammenarbeit mit Simone Beller neustrukturiert. In den Tabellen wird die Entwicklung des Kindes in acht verschiedenen Bereichen (sozial-emotionale Entwicklung, Sprache, Spieltätigkeit, Grobmotorik, Feinmotorik, Körperpflege, Umgebungsbewusstsein und Kognition) analysiert, erfasst und verfolgt. Für den Benutzer soll so Aufschluss darüber gegeben werden, in welchem Verhältnis die Entwicklung des Individuums zur relativen Altersnorm steht. Auf diesen Beobachtungen basierend können dem Kind dann entwicklungsangemessene Anregungen und Aufgaben erteilt werden und so Über- oder Unterforderung vermieden werden.

Entzündung

Entzündungen sind Abwehrreaktionen des Immunsystems bei Schädigungen des Gewebes. Ziel einer Entzündung ist es, den inneren  oder äußeren Reiz, der die Schädigung ausgelöst hat, zu beseitigen und günstige Konditionen für eine Heilung zu schaffen. Es wird zwischen lokalen, also örtlich  beschränkten, und generalisierten, also den gesamten Körper oder Körperteile betreffenden, Entzündungen unterscheiden. Bei letzterer werden Erreger durch das Blut aus den Infektionsherden herausgetragen und im gesamten Organismus verteilt. Es lassen sich fünf Leitsymptome für Entzündungsreaktionen feststellen: Tumor (die Schwellung des betroffenen Gewebes), Robor (die Rötung des Gewebes), Calor (die Erwärmung des entzündeten Gewebes), Dolor (Schmerz) und Function laesa (die gestörte Funktion des Gewebes). Weiterhin werden Entzündungen nach ihrem zeitlichen Verlauf, ihrer Ausbreitung und ihrer Ätiologie eingeteilt. Medizinische Fachbegriffe für Entzündungskrankheiten werden häufig mit der Endung „-itis“ gebildet, so wie beispielsweise bei der Arthritis.

Epilepsie

Die Epilepsie, die im Deutschen auch als Fallsucht oder Krampfleiden bezeichnet wird, ist ein Krankheitsbild, bei dem ohne erkennbare Ursache spontan Krampfanfälle auftreten. Etwa 4-5% aller Menschen erleben in ihrem Leben einmal oder wenige Male einen epileptischen Anfall. Treten die Anfälle chronisch auf, wird die Diagnose der Epilepsie gestellt. Ein Anfall wird ausgelöst durch eine Folge synchroner, anfallsartiger Neuronenentladungen im Hirn. Diese Fehlfunktion löst im Körper eine Vielzahl verschiedener willkürlicher Verhaltens- oder Befindensstörungen aus, die sich als Muskelverkrampfungen, Bewusstseinsverlust, oder Zuckanfälle äußern können, die sich aber auch in weniger auffälligen Symptomen wie etwa einem kurzzeitigen, unmotivierten Herumnesteln an Gegenständen, ungewöhnlichem Schmatzen und Schlucken, oder unerklärlicher Geruchswahrnehmungen zeigt. Man unterscheidet bei der Epilepsie zwischen drei verschiedenen Arten von Anfall: den fokalen Anfällen, die sich an einer bestimmten Stelle im Hirn ereignen, den sekundär-generalisierten Anfällen, die als fokale Anfälle beginnen, sich dann aber auf das gesamte Hirn ausweiten, und den generalisierten Anfällen, die direkt das gesamte Gehirn betreffen. Eine Heilung der Epilepsie ist nicht möglich. Es wird dazu geraten, eine generelle Änderung des Lebensstils vorzunehmen, übermäßigen Alkoholkonsum und Schlafentzug zu vermeiden und auch den Arbeitsplatz entsprechend zu wählen, um einer Verschlimmerung oder schädlichen Folgen der Erkrankung vorzubeugen. Auch befinden sich viele Medikamente (Antikonvulsiva) gegen Epilepsie auf dem Markt, die eine Senkung der Vorkommenshäufigkeit der Anfälle bewirken können.

Ergotherapie

Die Therapieform der Ergotherapie befasst sich mit der Unterstützung und Begleitung von handlungsbeeinträchtigten Menschen durch eine gezielte Einübung und richtige Durchführung von für sie bedeutungsvollen Betätigungen. Das medizinische Verfahren kann bei Menschen jeden Alters im Rahmen der Rehabilitation bei Störungen der motorischen oder sensomotorischen Fähigkeiten zum Einsatz kommen. Durch zielgerichtete Übungen soll es dem Patienten ermöglicht werden, wieder in angemessener Form an Alltag, Schule oder Beruf teilnehmen zu können. Unterschieden wird in der Ergotherapie unter den Betätigungsbereichen Produktivität (z.B. putzen, am Computer arbeiten), Selbstversorgung (z.B. essen, duschen) und Freizeit (spielen, Freunde treffen). Ziel ist es, dem Patienten eine möglichst selbstständige und unabhängige Teilnahme am Alltag zu ermöglichen, seiner gesellschaftlichen Isolation vorzubeugen und seine Lebensqualität insgesamt zu verbessern.

Erziehung

Erziehung ist eine Form der Charakterbildung und der Entwicklungsförderung zwischen Menschen. Sie ist soziales Handeln in Form von Handlungen und Maßnahmen, die bewusst und geplant bestimmte Lernprozesse in einer anderen Person auslösen und unterstützen soll, um damit langfristig Verhaltensänderungen zu erreichen. Ihr Ziel ist außerdem die Erlernung von sozialen Normen und Werten. Erziehung ist Gegenstand der Pädagogik. Dabei schließt die Erziehung sowohl erfolglose als auch erfolgreiche Versuche ein, das Verhalten von Mitmenschen, insbesondere Kindern, in die gewünschte Richtung zu lenken. Eltern, Institutionen, Bildung und Umfeld sind darum wichtige Einflussfaktoren in der Erziehung eines Menschen.