Lexikon der Verhaltenstherapie

Psychomotorik

Der Begriff Psychomotorik bezeichnet das Wechselspiel zwischen dem emotionalen und psychischen Empfindungen eines Menschen und seinem körperlichen Ausdruck. Dem liegt die Annahme einer kausalen Beziehung zwischen Psyche und Motorik zugrunde. Urvater dieser Theorie ist Mitte der 1950er Jahre Ernst Kiphard, der in seiner Arbeit mit verhaltensauffälligen Jugendlichen eine positive Auswirkung von Sportangeboten auf die emotionale Entwicklung seiner Patienten bemerkte. Noch heute findet die psychomotorische Therapie so vor allem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Einsatz, um Teilnehmern grundlegende Bewegungs- und Wahrnehmungsmuster zu vermitteln und so ihre Förderung und Integration zu unterstützen.

Psychopharmakologie

T. Elbert & B. Rockstroh

Psychopharmakologie untersucht und beschreibt die Wirkungsweisen von psychoaktiven Substanzen bei Mensch und Tier und deren Anwendungen mit therapeutischer Zielsetzung. Psychopharmakologie bezeichnet somit das spezielle Gebiet der Pharmakologie, das sich auf die pharmakologischen Kenntnisse zentralnervös wirksamer Substanzen mit Wirkungen auf die Psyche konzentriert, während sich Pharmakopsychiatrie sowohl auf die Erforschung der für die Psychiatrie zu nutzenden therapeutischen Wirkungsqualitäten von Psychopharmaka, als auch auf die Manifestation psychischer Störungen durch Pharmaka erstreckt. Damit Medikamente (also chemisch spezifizierte Substanzen) als Psychopharmaka bezeichnet werden dürfen, müssen sie drei definitorischen Kriterien genügen: sie müssen obligatorisch psychotrope Effekte haben und wegen dieser Effekte gezielt eingesetzt werden.
Als psychotrop oder psychoaktiv werden diejenigen chemischen Stoffe bezeichnet, die über ihre zentralnervösen Effekte auf Verhalten und Erleben wirken. Zu dieser Kategorie psychoaktiver Substanzen gehören Psychopharmaka als Gruppe von Substanzen, die wegen ihrer psychoaktiven Wirkungen therapeutisch eingesetzt werden. Eine andere Gruppe psychoaktiv wirkender Substanzen, deren Einsatz nicht primär therapeutisch ist, wohl aber durch ihre Erlebens- und Verhaltenswirkungen motiviert wird, werden als Genuß- oder Suchtmittel, soziale Drogen oder Rauschdrogen bezeichnet.

Psychosomatik

Wenn die Seele den Körper krank macht

Die medizinische Lehre der Psychosomatik untersucht den Zusammenhang zwischen somatischen Störungen und der Psyche. Hauptannahme der psychosomatischen Betrachtungsweise von Krankheiten ist dabei, dass die Psyche einen starken Einfluss auf das körperliche Befinden von Menschen hat. Zu den typischen psychosomatischen Erkrankungen gehören Angst- und Panikstörungen, EssstörungenDepressionen, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts oder sexuelle Funktionsstörungen. Auch Magengeschwüre, Kopfschmerzen, SchlafstörungenMuskelrheuma und allgemeine Krankheitsanfälligkeit werden als typische Symptome einer psychosomatischen Krankheit genannt. In der Psychosomatik werden Medizin, Psychologie und Psychotherapie verbunden und für die Diagnose, Untersuchung und Behandlung seelisch bedingter körperlicher Erkrankungen eingesetzt.

Psychotherapie

Die Psychotherapie dient der Heilung der Seele, indem mit psychotherapeutischen Methoden psychosomatische oder psychische Störungen (wie Depression oder Angststörungen) identifiziert und therapiert werden. Die am häufigsten eingesetzten Verfahren sind Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Analytische Psychotherapie. Die Psychotherapie lässt sich außerdem in drei Arten einteilen: die körperorientierte Psychotherapie, bei der angenommen wird, dass Körper und Seele eine Einheit bilden; die systemische Psychotherapie, bei der die Erkrankungen einer einzelnen Person im sozialen Gesamtsystem betrachtet werden; und die humanistisch-existenzialistische Psychotherapie, deren Ziel es ist, dass sich die Person als ganzheitlich und verantwortungsbewusst wahrnimmt.